Kiefernekrosen

Behandlung von medikamenten-assoziierten Kiefernekrosen und Bestrahlungs-assoziierten Kiefernekrosen

Die Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie der Ludwig-Maximilians-Universität München zählt zu den führenden europäischen Kliniken für die Behandlung von Erkrankungen des Kieferknochens. Mit langjähriger klinischer Erfahrung und modernen Verfahren versuchen wir, Ihre Nekrose bzw. Entzündung des Kieferknochens zu therapieren und möchten hierbei insbesondere die umgebenden gesunden Strukturen (Knochen, Zähne, Nerven) schonen.

Medikamenten-assoziierte Kiefernekrosen

Bisphosphonate, Denosumab und andere Knochenstoffwechsel-beeinflussende Medikamente stellen einen wichtigen Therapiepfeiler bei der Behandlung von bösartigen Erkrankungen und Osteoporose dar. Die Erstbeschreibung dieser Erkrankung erfolgte 2003 und sie zeichnet sich, wenn keine Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich stattgefunden hat, durch freiliegenden oder über eine Fistel sondierbaren Kiefer-Knochen aus, der länger als 8 Wochen besteht. Dies kann vor, während oder nach antiresorptiver Therapie auftreten. Die Symptome können diffus und unspezifisch sein, häufig bestehen Schmerzen, wiederkehrende Entzündungen, aber auch Zahnlockerungen und fortschreitender Knochenverlust. Typischerweise kann es nach Zahnextraktionen unter antiresorptiver Therapie zu einem fehlenden Abheilen des Knochens und des Zahnfleischs kommen. Der freiliegende Knochen kann aber auch spontan auftreten oder durch eine Prothesendruckstelle hervorgerufen werden. Der genaue Ursprung der Erkrankung ist bisher noch nicht vollständig erforscht. Als Ursache werden ein Ausbleiben des Knochenumbaus durch die antiresorptiven Medikamente, eine direkte Infektion und Entzündung sowie das Ausbleiben der Gefäßneubildung im Knochen diskutiert. Es lassen sich unterschiedliche Risikofaktoren unterscheiden. Zum einen ist die Indikation, d. h. werden antiresorptive Medikamente aufgrund einer malignen Erkrankung oder wegen Osteoporose eingenommen, ein wichtiger Risikofaktor. Auch die Dosierung spielt eine wichtige Rolle. Bei bösartigen Erkrankungen werden in der Regel höhere Dosierung verabreicht, als das bei Osteoporose der Fall ist. Auch die Dauer der antiresorptiven Therapie spielt eine Rolle, so steigt das Risiko nach 2 Jahren antiresorptiver Therapie auf ein Plateau an. Außerdem spielen lokale Faktoren eine Rolle, hierbei ist, wie schon bereits erwähnt, die Zahnextraktion der häufigste Auslöser einer Medikamenten-assoziierten Kiefernekrose.

Vor Beginn einer antiresorptiven Therapie sollten Sie über das potenzielle Risiko aufgeklärt werden und zu guter Mundhygiene angeleitet werden. Eine eingehende zahnärztliche/mund-kiefer-gesichtschirurgische Untersuchung mit der Anfertigung von Röntgenbildern ist dabei dringend empfehlenswert. Sollten im weiteren Verlauf während der antiresorptiven Therapie dentoalveoläre Eingriffe, also z. B. Zahnextraktionen, notwendig werden, so sind bestimmte Vorsichtsmaßnahmen wie z. B. eine Antibiotikatherapie und ein sicherer Wundverschluss notwendig.
Eine Medikamenten-assoziierte Kiefernekrose lässt sich heutzutage gut behandeln. Jedoch ist meist ein operativer Eingriff erforderlich, bei dem der abgestorbene Knochen abgetragen, der umgebende Knochen geglättet und die Mundschleimhaut darüber wieder dicht verschlossen wird. Häufig wird dieser Eingriff unter Vollnarkose durchgeführt. Dieser Eingriff und die Antibiotikatherapie finden dann auch in der Regel im Rahmen eines stationären Aufenthaltes statt.
Gerne beraten wir Sie vor, während und nach einer antiresorptiven Therapie, um Ihr persönliches Risikoprofil zu analysieren und mit Ihnen prophylaktische Maßnahmen zu besprechen. Wenn Sie bereits Beschwerden haben, können Sie sich ebenfalls gerne an uns wenden und wir finden mit Ihnen gemeinsam den für Sie passenden Therapieweg.

Osteoradionekrose

Die Osteoradionekrose ist ein Krankheitsbild, welches nach therapeutischer Bestrahlung des Kopf-Hals-Bereiches (insbesondere von bösartigen Neubildungen) in den Kieferknochen entstehen kann.
Auch die Osteoradionekrose ist gekennzeichnet durch freiliegenden, exponierten, abgestorbenen und gegebenenfalls infizierten Knochen sowie durch zusätzliche klinische Kennzeichen wie Schmerzen, Einschränkungen bei der Nahrungsaufnahme oder Zeichen der Infektion. Als Komplikationen können Beeinträchtigungen der Nervfunktion bis hin zum Bruch des Kiefers auftreten. Die Osteoradionekrose kommt vor allem im Unterkiefer vor, kann in seltenen Fällen aber auch im Oberkiefer auftreten. Da die Behandlung der Osteoradionekrose als sehr schwierig gilt, kommt der Vorbeugung eine wichtige Bedeutung zu.
Die Prophylaxe vor geplanter Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich sollte eine Aufklärung, Mundhygieneinstruktionen, die Aufklärung über spezielle Risikofaktoren sowie die Anfertigung von Bestrahlungs- und Fluoridierungsschienen umfassen. Sind nach erfolgter Strahlentherapie bzw. Radiochemotherapie im Kopf-Hals-Bereich chirurgische Maßnahmen im Kieferbereich notwendig, so sollten diese (zum Beispiel Zahnextraktionen, operative Zahnentfernungen und Implantationen) in chirurgisch erfahrenen Händen sowie unter Berücksichtigung der entsprechenden Leitlinien erfolgen. Hierzu gehören spezielle prophylaktische Maßnahmen, wie eine antibiotische Infektionsprophylaxe und die plastische Deckung der entstehenden Wunden.
Die Behandlungsmöglichkeiten von Osteoradionekrosen umfassen chirurgische und nicht-chirurgische Maßnahmen. Zu den nicht-chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten gehören lokal desinfizierende Spülungen sowie antibiotische Therapien. Zudem besteht die Möglichkeit, medikamentös den Knochenstoffwechsel und die Durchblutung, zum Beispiel mit Tocopherol und Pentoxifyllin, zu optimieren. Bei entsprechender Genehmigung durch die Krankenkasse kann auch eine Hyperbare Sauerstofftherapie erfolgen. Zur chirurgischen Therapie der Osteoradionekrose gehört die vollständige Abtragung der abgestorbenen, und gegebenenfalls infizierten, Knochenanteile, die Glättung scharfer Knochenkanten sowie die plastische Deckung der entstandenen Wunden. Die entsprechende chirurgische Therapie erfolgt in der Regel unter zusätzlicher Gabe von Antibiotika.

Osteomyelitis des Kiefers

Bei der klassischen bakteriellen Osteomyelitis handelt es ich um eine Infektion des Kieferknochens. Diese ist gekennzeichnet durch Schmerzen, Schwellung, Kieferöffnungseinschränkungen sowie gegebenenfalls Fistelbildungen, Abszessformationen oder das Freiliegen von Knochen.
Die Osteomyelitis entsteht häufig in der Folge einer dentogenen (durch die Zähne verursachten) Infektion bzw. nach zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen oder Traumata (zum Beispiel Brüchen) im Bereich des Kiefers. Patienten, die an Diabetes mellitus oder einer Immunsuppression leiden, weisen ein besonderes Risiko auf.

Die Therapie von Osteomyelitiden des Kiefers besteht häufig in einer Kombination von antibiotischer sowie chirurgischer Therapie, wobei der Behandlung der auslösenden Ursache (z.B. ursächlicher Zahn, bzw. nicht versorgte Fraktur) sowie der Entfernung von gegebenenfalls abgestorbenem oder entzündlich verändertem Kieferknochen mit anschließender plastischer Deckung eine wesentliche Bedeutung zukommt.