Neue Hoffnung für Parkinson-Erkrankte
Diesen verbesserten Bedingungen trägt auch die neue, vollständig überarbeitete S2k-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Parkinson-Krankheit Rechnung, „mit vielen neuen Aspekten, vielen kleinen und größeren Quantensprüngen", berichtet Prof. Günter Höglinger, der gemeinsam mit Prof. Claudia Trenkwalder vom Paracelsus-Kompetenznetzwerk Parkinson an der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel federführend verantwortlich ist. Die Mehrzahl der aufgeführten Behandlungsoptionen wurde teilweise modifiziert, durch aktuelle Evidenz gesichert und durch neue Inhalte ergänzt. "Wichtig ist, die Therapie rechtzeitig, altersgerecht, effizient und entsprechend den individuellen Therapiezielen zu beginnen", betont Prof. Höglinger.
Da Parkinson selbst nicht heilbar ist, konzentriert sich die Therapie auf die Linderung der Symptome. Das Absterben von Dopamin-produzierenden Nervenzellen führt bei Betroffenen nach und nach zu stärker werdenden Bewegungsstörungen. Die Therapie solcher Bewegungsstörungen ist dann abhängig von verschiedenen Faktoren wie Alter, unterschiedliche Wirkung der Medikamente, Nebenwirkungen sowie Begleiterkrankungen. Die erste Wahl sind Medikamente, die zum Beispiel im Gehirn den Abbau eines bestimmten Botenstoffs hemmen. Liegt aber schon zu Beginn ein starkes Zittern vor, dann empfehlen Fachleute das altbekannte Levodopa – ein Medikament, das den Dopaminmangel im Gehirn ausgleicht und vor allem bei jüngeren Betroffenen verschrieben wird, die ihre motorischen Fähigkeiten für ihre Arbeit benötigen.
Invasive Verfahren
Auch auf invasive Verfahren lässt sich umschwenken, wenn Medikamente allein nicht mehr ausreichen. Deren Nutzung ist in den neuen Empfehlungen klar beschrieben. Neu sind unter anderem auch die Empfehlungen zu invasiven Therapien wie Pumpentherapien und der Tiefen Hirnstimulation (THS). Ein Hirnschrittmacher kann Betroffenen bis 70 Jahre mit ausgeprägten Bewegungsstörungen helfen. Im Januar 2020 wurde in der Neurochirurgischen Klinik des LMU Klinikums der erste Parkinson-Patient weltweit mit einem Neurostimulator versorgt.
Medikamentenpumpen
Die aktuelle Leitlinie berücksichtigt aber auch, welchen Einfluss ein gesunder Lebensstil hat. Damit lassen sich Begleiterkrankungen wie ein Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden bestmöglich in Schach halten – was wiederum den Verlauf der Parkinson-Krankheit beeinflusst. Eine ganz wichtige Rolle spielt dabei die Bewegung, egal ob Fahrradfahren, Tanzen oder Yoga. Gleichzeitig kann die richtige Ernährung – eine mediterrane, fasserreiche Ernährung – ebenfalls von Vorteil sein.
"Wenn wir alle motorischen und nicht-motorischen Probleme therapieren, und das können wir mit Medikamenten und anderen Behandlungen, dann hat das sehr positive Auswirkungen auf die körperliche Fitness", fasst Höglinger zusammen. "Die Betroffenen nehmen am Leben teil und bleiben in Form." Damit steigt auch die Lebensqualität, trotz der einschneidenden Diagnose.
Bildgebungsverfahren
Die MRT Bildgebung bei Morbus Parkinson dient zum einen dem Ausschluss sekundärer Ursachen eines Parkinson-Syndroms wie beispielsweise einer ausgeprägten vaskulär bedingten Hirnschädigung oder einem Hirntumor. Zum anderen hilft die MRT bei der Unterscheidung eines M. Parkinson von atypischen Parkinsonsyndromen wie der Multisystematrophie (vom Parkinson Typ) und der progressiven supranukleären Blickparese, die in der MRT häufig charakteristische Atrophiemuster aufweisen.
Beim M. Parkinson selbst sind die strukturellen Veränderungen insbesondere in frühen Krankheitsstadien in der MRT sehr diskret. Gegebenenfalls können Signaländerungen bestimmter Mittelhirnstrukturen (Substantiv nigra, nucleus rüber) dargestellt werden. In späteren Krankheitsstadien tritt eine globale, nicht spezifische Hirnvolumenminderung auf. "Neue, und bisher rein wissenschaftliche genutzte MRT-Techniken, wie die Diffusions-Tensor-Bildgebung, die funktionelle MRT aber auch die Ultra-Hochfeldbildgebung bei 7 Tesla versprechen hier für die Zukunft Fortschritte für die klinische Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Parkinson-Syndrom", fasst Prof. Dr. Sophia Stöcklein, Klinik für Radiologie im LMU Klinikum.
"Eine wichtige Rolle kommt der MRT-Bildgebung schon jetzt in der Planung der Implantation von Tiefenhirn-Stimulationselektroden zu, die anhand der MRT-Bilder stereotaktisch erfolgt", sagt Prof. Stöcklein.
Insbesondere in frühen Krankheitsstadien wird auch die molekulare Bildgebung mittels radioaktiv markierten Stoffen (so genannte Radiotracer) zunehmend für die Diagnostik der Parkinson Erkrankung eingesetzt. "SPECT und PET Verfahren bieten die Möglichkeit einen direkten Nachweis des Mangels an Dopamintransportern und Dopaminrezeptoren im Gehirn zu liefern. Dadurch kann ein zentrales Element in der Pathophysiologie der Parkinson Erkrankung auch im individuellen Patienten biologisch charakterisiert werden", sagt Prof. Dr. Matthias Brendel, Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin im LMU Klinikum. "Neben dem dopaminergen System erlangt auch die Bildgebung des zerebralen Glukosestoffwechsels und die kardialen Denervierung eine zunehmende Bedeutung. Am Horizont erscheinen bereits Radiotracer, welche die zugrunde liegenden fehlgefalteten Eiweiße im Gehirn regional detektieren können."
Die Neurologische Klinik des LMU Klinikums bietet mit ihrem interdisziplinären Team aus kooperierenden Berufsgruppen alle derzeit verfügbaren Parkinson-Therapien auf hervorragendem Niveau an. Darüber hinaus werden auch neue Diagnosemethoden und Therapien im Rahmen von kontrollierten klinischen Studien erprobt.
Links:
Informationen zur tiefen Hirnstimulation - Pumpentherapie
Newsmeldung: Neue Leitlinie zur Parkinson-Krankheit erschienen
Kontakt
Prof. Dr. Günter Höglinger
Direktor der Neurologischen Klinik