Kardiovaskuläre Erkrankungen wie das akute Koronarsyndrom, der Schlaganfall oder auch die peripher-arteriellen Gefäßverschlüsse gehörten schon vor der Coronapandemie zu den häufigsten Todesursachen weltweit. In der Regel werden Patienten mit schwerer Atherosklerose oder Gefäßverschlüssen mit invasiven Maßnahmen wie Stentimplantation behandelt oder erhalten eine Bypassanlage. Es sind aber auch Fälle bekannt, in denen sich bei Erkrankten ein natürlicher Bypass um ein verschlossenes Gefäß ausgebildet hat, Ärzte nennen diesen Prozess Arteriogenese. Wie der Körper diese Fähigkeit aktiviert und welche Signalketten letztlich zum natürlichen Wachstum eines Bypasses führen, war lange Zeit unbekannt.
Manuel Lasch, Assistenzarzt an der HNO-Klinik, konnte nun in seiner Arbeit zeigen, dass es nach Verschluss eines Gefäßes aufgrund des erhöhten mechanischen Reizes (Schubspannung) in den kleinen Kollateralgefäßen zur aktiven Freisetzung von RNA kommt. Über diese extrazelluläre RNA können anschließend Immunzellen rekrutiert werden, welche ihrerseits das anfänglich kleine Gefäß mit Wachstumsfaktoren versorgen und das Wachstum zu einem natürlichen Bypass ermöglichen. Die Ergebnisse der Arbeit konnte Manuel Lasch in der angesehenen Zeitschrift Blood veröffentlichen. Sie könnten die Grundlage für die Entwicklung neuartiger Medikamente sein.