News | 12.10.2026

Europäische Auszeichnung und Harald Goebell-Preis für PD Dr. Simon Sirtl

Für seine grundlegenden Arbeiten zum pathomechanistischen Verständnis der biliären Pankreatitis wurde PD Dr. med. Simon Sirtl aus der Medizinischen Klinik und Poliklinik II (Direktorin: Prof. Dr. Julia Mayerle) gleich zweifach ausgezeichnet: Der „Young Pancreatologist Platform in Europe Award” des European Pancreatic Club, der herausragende Arbeiten junger Pankreatologinnen und Pankreatologen in Europa würdigt, wurde Sirtl am 25. Juni 2026 in Istanbul verliehen. Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) erhielt er zudem den mit 3.000 Euro dotierten Harald-Goebell-Preis.
PD Dr. Simon Sirtl (links) wurde auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) der Harald-Goebell-Preis verliehen.

Die akute Pankreatitis gehört zu den häufigsten akuten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, die eine stationäre Behandlung erforderlich machen. Eine ihrer wichtigsten Ursachen sind Gallensteine. Seit mehr als einem Jahrhundert geht man davon aus, dass ein Gallenstein beim Austritt aus der Gallenblase vorübergehend den gemeinsamen Abflussbereich von Gallen- und Bauchspeicheldrüsengang an der sogenannten Papilla Vateri blockiert. Der dadurch entstehende Sekretstau kann eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse auslösen. Dieses klassische Modell erklärt jedoch nicht alle Fälle. Insbesondere bei sehr kleinen Steinen – der sogenannten Mikrolithiasis – findet sich häufig keine relevante mechanische Blockade. Dennoch können auch diese kleinen Gallensteine eine akute Pankreatitis auslösen. Wie dies geschieht, war bislang nur unzureichend verstanden.

Untersuchungen menschlicher Gewebeproben zeigten bei Patientinnen und Patienten mit Mikrolithiasis-bedingter Pankreatitis im Vergleich zu Pankreatitiden anderer Ursachen eine vermehrte Entzündungsreaktion im Bereich der Papilla Vateri, der gemeinsamen Mündung von Gallen- und Bauchspeicheldrüsengang. Dabei fand sich eine verstärkte Aktivierung des NLRP3-Inflammasoms, eines zentralen Bestandteils der angeborenen Immunantwort. In Zellkulturexperimenten konnten Cholesterin- und Bilirubinatkristalle – wesentliche Bestandteile von Mikrolithiasis – diese Entzündungsreaktion direkt aktivieren. Ein neu entwickeltes Mausmodell bestätigte die charakteristische Entzündung der Papille auch in vivo. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Mikrolithiasis eine akute Pankreatitis nicht ausschließlich durch mechanische Abflussbehinderung, sondern durch eine lokale, NLRP3-vermittelte Entzündung der Papille („Papillitis“) auslösen kann. Damit eröffnet die Studie ein neues Verständnis der Entstehung der biliären Pankreatitis und mögliche Ansatzpunkte für zukünftige diagnostische und therapeutische Strategien.

Publikation:

Sirtl, Simon, Mahmood Ahmad, Prince Allawadhi, et al. 2026. “NLRP3 Inflammasome Activation-Induced Acute Papillitis as a Trigger of Acute Pancreatitis - A Novel Mechanism of Microlithiasis-Induced Acute Pancreatitis,” United European Gastroenterology Journal: e70198. DOI: https://doi.org/10.1002/ueg2.70198.

Über Harald Goebell

Harald Goebell (1933 – 2017), 1975 bis 1998 Lehrstuhlinhaber für Innere Medizin und Leiter der Klinik für Gastroenterologie, Universität Essen, forschte über die Pathophysiologie der Pankreaserkrankungen und befasste sich eingehend mit deren Klassifikation. Im Zentrum seiner Forschungsarbeit stand die Sekretion des Pankreas und deren Regulation durch Hormone. Goebell vermittelte 1990 den Zusammenschluss von DGVS und der Gesellschaft für Gastroenterologie der DDR. Harald Goebell verstarb im Juni 2017 im Alter von 84 Jahren.