Organspende: Wie funktioniert das überhaupt?
Rund 9.500 Menschen warten jedes Jahr in Deutschland auf ein neues Organ, auf eine Niere, einen Lungenflügel oder ein Herz. Die Spenderzahlen sind aber gering: Obwohl 1.000 Patientinnen und Patienten auf ein neues Herz warten, bekommen nur etwa 300 von ihnen die Chance auf eine Herz-Transplantation.
Um das zu ändern, müssten sich wesentlich mehr Menschen in Deutschland mit dem Thema Organspende auseinandersetzen, denn hier gilt: Organe können nur gespendet werden, wenn ein Organspendeausweis vorliegt, oder wenn die Angehörigen für einen Verunglückten entscheiden.
„Mir ist es ein persönliches Anliegen, dass jeder Mensch sich einmal mit dem Thema auseinandersetzt und sich fragt: Möchte ich meine Organe spenden? Das sollte man auch von seinen Angehörigen, Partnerinnen und Partnern wissen, damit alle entsprechend vorbereitet sind, wenn es zum Ernstfall käme.“
Prof. Christian Hagl, Direktor der Herzchirurgischen Klinik am LMU Klinikum
„Ich habe eine Perspektive kennengelernt, die mich sehr berührt hat: Mit dem neuen Herz kann ich weiterleben, aber nicht nur ich, sondern auch das Herz bekommt eine Chance auf eine neue Runde.
Dr. Anne Hilgendorff, Herztransplantations-Patientin
Aber wer setzt sich schon gerne mit seinem eigenen Tod auseinander? Studentin Sophie engagiert sich selbst für Organspende, sie ist in der studentischen Initiative ‚Aufklärung Organspende‘ aktiv und das Thema liegt ihr am Herzen. Deshalb hat sie Professor Christian Hagl, Direktor der Herzchirurgischen Klinik und Dr. Anne Hilgendorff, Herztransplantations-Patientin und Ärztin am LMU Klinikum, interviewt und ihnen Fragen gestellt, die wohl viele Menschen umtreiben: Wie fühlt sich ein neues Herz an? Wie gelingt das Warten? Und wie funktioniert eigentlich die Organspende?
„All die Fragen, die ich im Gespräch gestellt habe, beschäftigen ganz viele weitere Menschen. Umso schöner war es, beide Seiten beleuchten zu können: Wie geht die Medizin damit um? Und wie eine Patientin? Das hilft hoffentlich allen Menschen dabei, eine Entscheidung treffen zu können.“
Sophie Bernhard, Medizinstudentin im 7. Semester
Organspende: Wie lässt sich eine Abstoßung des Organs vermeiden?
Das passende Organ für Patient:innen zu finden, die auf ein Herz, eine Lunge oder eine Niere warten, ist ein hochkomplexer Vorgang. Dabei spielen neben regulatorischen, ethischen und organisatorischen Aspekten auch viele medizinische – unter anderem auch immunologische – Aspekte eine zentrale Rolle. Natürlich müssen die Größe des Organs sowie die Blutgruppe des Spenders zum Empfänger passen. Aber um eine Abstoßung soweit wie möglich zu vermeiden und die Funktion im neuen Körper zu gewährleisten, müssen in spezialisierten Laboren aufwändige immungenetische sowie transplantationsimmunologische Analysen vorgenommen werden – sowohl vor als auch nach einer Organtransplantation oder Knochenmarkspende. Am LMU Klinikum übernimmt das Labor für Immungenetik und molekulare Diagnostik (LfIMD) der Abteilung für Transfusionsmedizin, Zelltherapeutika und Hämostaseologie (ATMZH) diese Untersuchungen, um die bestmögliche Verträglichkeit von Organ- und Stammzelltransplantaten sicherzustellen.