Prof. Nikolaos Koutsouleris mit dem Eugen Münch-Preis 2023 ausgezeichnet
„Die prämierten Arbeiten passen perfekt zum Zweck unserer Stiftung: Sie unterstützen unser Anliegen, dass die Versorgungsqualität für die Patienten gesteigert wird, und gleichzeitig erhebliche, unnötige Kosten eingespart werden können“, betont Professor Boris Augurzky, Vorstandsvorsitzender der Rhön Stiftung.
Die Gewinner wurden unter über 100 Einsendungen von der Jury ausgewählt, der Barbara Diehl (Chief Partnership Officer, SPRIND – Bundesagentur für Sprunginnovationen), Wolfgang Greiner (Inhaber des Lehrstuhls für Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement, Universität Bielefeld), Heike Haarhoff (Redakteurin Tagesspiegel Background Gesundheit & eHealth; Professorin Kommunikationswissenschaft an der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften), Bernadette Klapper (Bundesgeschäftsführerin, Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe – Bundesverband e. V.), Franz Knieps (Vorstand BKK Dachverband e.V.), Ralf Kuhlen (Chief Medical Officer, Helios Health GmbH) und Marcel Weigand (Leiter Kooperationen und digitale Transformation der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland & freier Berater) angehören.
Kategorie Wissenschaft und praktische Anwendung
Professorin Eva Meisenzahl und Professor Nikolaos Koutsouleris: „Computergestützte Diagnostik und risikoadaptierte Therapie zur Verhinderung des Ausbruchs von Psychosen”
Ziel der Arbeit ist es, das individuelle Risiko zur Entwicklung einer Psychose frühzeitig zu erkennen und die Therapie so anzupassen, dass der Ausbruch verhindert oder abgemildert wird. Dazu haben das Team von Eva Meisenzahl und Nikolaos Koutsouleris KI-basierte Methoden entwickelt, um mit Hilfe von computergestützten Algorithmen verschiedene Patienteninformationen wie den klinischen Befund, cMRT, neuropsychologische Tests und genetische Informationen zu analysieren und den weiteren Verlauf daraus mit Hilfe von KI vorherzusagen. Die Ergebnisse wurden wissenschaftlich evaluiert und in international renommierten Fachjournalen wie JAMA Psychiatry veröffentlicht.
Mit den entwickelten Methoden der Wissenschaftler ist nicht nur erstmals eine valide Risikoanalyse und Diagnostik möglich, sondern es kann reagiert werden, bevor eine psychotische Erkrankung ausbricht. Sie kommen im Rahmen des Innovationsfonds-Projektes CARE (care-network.eu) zur klinischen Anwendung. In diesem Netzwerk ist auf nationaler Ebene eine große Allianz und Kooperation zwischen Kinder- und Jugendpsychiatern, -Psychologen und Erwachsenenpsychiatern- und psychologen entstanden, flankiert durch die Unterstützung der Krankenkassen TK NRW, DAK und AOK Rheinland sowie Ethikern, Gesundheitsökonomen und Sozialpsychiatern. „Bei Schlaganfall und bei Krebserkrankungen ist die Vorsorge längst etabliert, um den Ausbruch frühzeitig zu erkennen“, so Meisenzahl, „mit unserer Arbeit möchten wir das Ziel einer präventiven Psychiatrie intensiv verfolgen; denn frühe Erkennung und Behandlung ist auch bei psychiatrischen Erkrankungen möglich.“ Die Wissenschaftler verfolgen nicht nur das Ziel, das subjektive Leid der Betroffenen durch lange Phasen mit unspezifischen Symptomen, die häufig in der Adoleszenz entstehen, nunmehr zu verringern, sondern auch Kosten einzusparen. Psychosen gehören zu den kostenintensivsten Erkrankungen weltweit.
Professor Nikolaos Koutsouleris ist Lehrstuhlinhaber für Präzisionspsychiatrie an der Ludwig-Maximilians-Universität und am King’s College London, sowie Fellow der Max-Planck Gesellschaft am Max Planck Institut für Psychiatrie in München. Seine Arbeiten zum Einsatz von KI zur Früherkennung und Differenzialdiagnose psychischer Erkrankungen wurden vielfach national und international ausgezeichnet.
Professorin Eva Meisenzahl ist Lehrstuhlinhaberin für das Fach Psychiatrie und Psychotherapie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und leitet die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf/LVR. Sie ist Präsidentin der Europäischen Wissenschaftlichen Vereinigung für Schizophrenie und andere Psychosen (ESAS) und Vorsitzende der Allianz gegen Depressionen in Düsseldorf. 2011 erhielt Meisenzahl zudem die Ernennung als Senior Research Fellow am Bedfordshire Center for Mental Health Research der Universität Cambridge. Ihre gemeinsamen Arbeiten wurden unter anderem mit dem Europäischen Präventionspreis der Europäischen psychiatrischen Fachgesellschaft (EPA) ausgezeichnet.
Textquelle: Rhön Stiftung
Die komplette Pressemitteilung können Sie einsehen unter: www.rhoen-stiftung.de/preistraeger-2023
Über den Preis: Der Eugen Münch-Preis wird seit 2015 jährlich in zwei Kategorien (Bestes Start-up im Gesundheitswesen sowie „Wissenschaft und praktische Anwendung“ verliehen. Die Gewinner erhalten jeweils ein Preisgeld von 20.000 Euro und einen Film, mit dem die Arbeit vorgestellt wird. Ausgezeichnet werden innovative Arbeiten, die zu einer effizienteren und patientenorientierteren Gesundheitsversorgung beitragen können.