Pressemitteilungen | 30.06.2026

Die aufregenden Fälle des FBI am Münchner LMU Klinikum

Das von einer Stiftung geförderte Friedrich-Baur-Institut feiert Jubiläum
70 Jahre und alles andere als in die Jahre gekommen: Wenn es um die Erforschung und Behandlung von Muskel- und Nervenerkrankungen geht, führt am Friedrich-Baur-Institut – kurz „FBI“ – des LMU Klinikums kein Weg vorbei. Aufbauend auf seiner erfolgreichen Geschichte ist das Institut heute bestens für die Zukunft aufgestellt.
Sie erforschen und behandeln mit rund 60 Kolleginnen und Kollegen am Friedrich-Baur-Institut  Muskel- und Nervenerkrankungen (v.l.n.r.):  Prof. Dr. Benedikt Schoser, Prof. Dr. Maggie Walter, und Prof. Dr. Thomas Klopstock.

„Das Friedrich-Baur-Institut steht für herausragende neurologische Spitzenmedizin, wissenschaftliche Exzellenz und eine patientenzentrierte Versorgung auf höchstem Niveau, mit Strahlkraft in ganz Deutschland und darüber hinaus“, sagt Prof. Dr. Günter Höglinger, Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik und des Friedrich-Baur-Instituts  am LMU Klinikum.

Und das mit greifbarem Erfolg für die Betroffenen: Neuromuskuläre Erkrankungen galten lange als Stiefkinder der Medizin – selten, komplex und kaum behandelbar. Das aber hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt: „Wo einst nur Diagnosen ohne therapeutische Perspektive standen, eröffnen heute krankheitsmodifizierende Therapien echte Behandlungsmöglichkeiten“, erklären in einem gemeinsamen Statement die Oberärzte des Instituts (siehe Kasten unten). Und weiter: „Das Friedrich-Baur-Institut hat diese weltweiten Fortschritte nicht nur begleitet, sondern aktiv mitgestaltet.“

Große Bandbreite in der Versorgung spezieller Krankheitsbilder

Heute stehen effektive Behandlungsverfahren zur Verfügung bei der spinalen Muskelatrophie, der SOD1-assoziierten familiären ALS, der Duchenne-Muskeldystrophie, den myotonen Dystrophien, den Gliedergürteldystrophien, der Friedreich-Ataxie oder Neuropathien, assoziiert mit hereditärer ATTR-Amyloidose oder Morbus Fabry. Ebenso sind für nicht-erbliche neuromuskuläre Erkrankungen wie die Myasthenia gravis, die inflammatorischen Myositiden und immunogener Neuropathien vielfältige therapeutische Optionen vorhanden.

Friedrich-Baur-Institut in Zahlen

  • Mitarbeitende (aktuell): 60
  • Laufende Studien: 34
  • Externe Förderungen (BMBF, DFG, …): ca. 1 Mio. jährlich
  • Aktuelle Fallzahlen: ambulant jährlich 3.600, stationär jährlich 1.300
  • Verfügbare Betten: 24 stationäre, 3 tagklinische

Dabei wurde das Friedrich-Baur-Institut am 8. Juni 1956 zunächst für die Behandlung und Erforschung einer einzigen Krankheit ins Leben gerufen: der Kinderlähmung. Seinerzeit hatte das großzügige Stiftungswerk des oberfränkischen Unternehmers Dr. med. h.c. Friedrich Baur – einem Pionier des modernen Versandhandels – und seiner Frau Katharina die Gründung möglich gemacht.

Noch heute entscheidet das Kuratorium der Friedrich-Baur-Stiftung unter der Leitung von Dr. Georg Freiherr von Waldenfels über die Höhe der jährlichen Zuwendungen und unterstützt das Institut im Sinne der Forschungsförderung. „Bei so einem Jubiläum“, so von Waldenfels, „gilt unser Dank insbesondere Friedrich Baur und seiner Frau, die die Weitsicht und die finanziellen Möglichkeiten hatten, um dieses Institut ins Leben zu rufen. Die Friedrich-Baur-Stiftung und auch der Beirat der Friedrich-Baur-GmbH sind sich ihrer Verantwortung bewusst, dieses Institut auch in Zukunft nachhaltig zu begleiten.“

Interdisziplinarität und Interprofessionalität

Mit der flächendeckenden Einführung der Polio-Impfung verschwand der Schrecken der Kinderlähmung im Laufe der Jahre. Dafür widmete sich das FBI fortan den vielen seltenen Erkrankungen der Muskeln und der Nerven, die selbst vielen Ärzten kaum bekannt sind. Kennzeichnend für diese Krankheitsbilder ist ihr vielfältiges klinisches Erscheinungsbild, häufig mit Beteiligung anderer Organe. Die Diagnostik ist komplex und oft mit einer mehrjährigen Odyssee der Patienten von Arzt zu Arzt verbunden.

Der diagnostische Prozess und die Therapie erfordern das hochspezialisierte Wissen eines Expertenteams aus Neurologie, Pädiatrie, Orthopädie, Kardiologie, Humangenetik, Physikalischer Therapie und psychosozialer Betreuung. Die hohe therapeutische Expertise drückt sich unter anderem dadurch aus, dass das Friedrich-Baur-Institut Sitz des Muskelzentrums München der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V (DGM) ist und integriertes Myasthenie-Zentrum (iMZ) der Deutschen Myasthenie-Gesellschaft e.V. (DMG).

Auch in der Forschung setzt das Friedrich-Baur-Institut Maßstäbe: Seit 2005 haben die FBI-Mitarbeitenden über 1.000 Originalarbeiten in führenden wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht, gestützt von projektbezogenen Drittmitteln, die sich seit 2009 auf jährlich etwa eine Million Euro belaufen.

Wie auch in Zukunft die Entwicklung neuer therapeutischer Innovationen gelingt, ist für die Ärztinnen und Ärzte des FBI klar. „Wir haben schon früh erkannt, dass Patientenregister und Natural-History-Studien – diese erfassen den natürlichen Krankheitsverlauf für seltene Erkrankungen – von zentraler Bedeutung sind. Nicht nur für ein besseres Verständnis der Erkrankung selbst, sondern insbesondere auch für die Planung und effiziente Durchführung klinischer Therapiestudien“, fassen die Oberärzte des Instituts zusammen.

Das Friedrich-Baur-Institut am Campus Innenstadt des LMU Klinikums. In diesem Jahr feiert das "FBI" sein 70-jähriges Bestehen.

Zentrum für nationale und internationale Register und Studien

Entsprechend ist das Friedrich-Baur-Institut, häufig als koordinierendes Zentrum, an nationalen und internationalen Registern sowie Natural-History-Studien beteiligt. Dazu gehören unter anderem Netzwerke zu mitochondrialen Erkrankungen (mitoNET, GENOMIT), zur Friedreich-Ataxie (EFACTS, UNIFAI), zur Amyotrophen Lateralsklerose (MND-NET), zur spinalen Muskelatrophie (SMArtCare, nationales SMA-Patientenregister), zu Muskeldystrophien (MD-NET, Treat-NMD, nationales DMD/BMD Patientenregister), zu CMT Neuropathien (CMT-NET) und zu myotonen Dystrophien (nationales Myotone Dystrophien Patientenregister). Neben der klinischen Forschung ist das FBI auch in der Grundlagenforschung aktiv. Hierbei untersuchen die Wissenschaftler die biologischen Ursachen und Mechanismen hinter neuromuskulären Krankheitsbildern, um neue therapeutische Angriffspunkte zu identifizieren – ganz im Sinne des Prinzips „from bench to bedside".

Unterm Strich stehen jetzt neue Behandlungsverfahren zur Verfügung bei der spinalen Muskelatrophie, der Duchenne-Muskeldystrophie, den myotonen Dystrophien, den Gliedergürteldystrophien oder der Friedreich-Ataxie. Ebenso sind für nicht-erbliche neuromuskuläre Erkrankungen wie die Myasthenia gravis, die inflammatorischen Myositiden und Neuropathien vielfältige therapeutische Optionen vorhanden. Diese Entwicklung verdankt sich dem engen translationalen Zusammenspiel von Grundlagenforschung, Tiermodellen, Patientenregistern und klinischen Studien.

Für den Ärztlichen Direktor und Vorstandsvorsitzenden des LMU Klinikums München, Prof. Markus M. Lerch, ist das FBI eine optimale Kombination aus gesellschaftlichem Engagement und der Exzellenz einer Universitätsmedizin. „Die Förderung durch die Friedrich-Baur-Stiftung ermöglicht es unseren Expertinnen und Experten am LMU Klinikum, Patienten zu helfen, die sonst keine Anlaufstelle haben. Da sind im wahrsten Sinne des Wortes aufregende Fälle zu lösen – wie man es vom FBI eben erwartet.“

Die Oberärzte des Friedrich-Baur-Instituts

  • Prof. Dr. Maggie Walter (Geschäftsführung, Erlösmanagement, Ernährungsmedizin, Muskeldystrophien, Myositiden, Spinale Muskelatrophien, erworbene und hereditäre Neuropathien, kongenitale myasthene Syndrome, Patientenregister, Muskelproteinanalytik)
  • Prof. Dr. Benedikt Schoser (Myotonien und Myotone Dystrophien, metabolische Myopathien, lysosomale Speichererkrankungen, Myasthenie, Palliativmedizin, Patientenregister, Muskelmorphologie, Muskelproteinanalytik)
  • Prof. Dr. Thomas Klopstock (Neurogenetik, Heredoataxien, NBIA, Mitochondriopathen, Patientenregister)
  • Prof. Dr. Peter Reilich (ALS, Amyloidose, Myositiden, klinische Neurophysiologie, FEES-Diagnostik, Palliativmedizin, Patientenregister, Muskelproteinanalytik)
  • Privatdozent Dr. Stephan Wenninger (Beatmungs- und Palliativmedizin, Myotonien und Myotone Dystrophien, metabolische Myopathien, lysosomale Speichererkrankungen, Myasthenie, Myositiden, klinische Neurophysiologie)
  • Prof. Dr. Jan Senderek (Forschungsprofessur für neuromuskuläre Erkrankungen, hereditäre Neuropathien und Myopathien, Molekulargenetik, Zell- und Molekularbiologie)

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Kontakt

Prof. Dr. med. Günter Höglinger

Direktor Neurologische Klinik und Poliklinik, LMU Klinikum München

Prof. Dr. med. Maggie Walter 

Geschäftsführung Friedrich-Baur-Institut an der Neurologischen Klinik und Poliklinik, LMU Klinikum München