Aktuelles
News
Lungenfibrose: Wie ein Ionenkanal den Gewebeumbau steuert
Ein Forschungsteam aus DZL-Forschenden und Wissenschaftler:innen der LMU München hat einen neuen Mechanismus entdeckt, der zur Entstehung von Lungenfibrose beitragen kann. Entscheidend dabei: Der lysosomale Ionenkanal TRPML1.
Ein Ionenkanal ist eine winzige „Tür“ in der Hülle einer Zelle. Durch diese Tür können elektrisch geladene Teilchen, die Ionen, in die Zelle hinein oder aus ihr heraus gelangen.
Der Ionenkanal TRPML1 zum Beispiel sorgt normalerweise dafür, dass bestimmte Enzyme aus den Lysosomen freigesetzt werden. Diese Enzyme – sogenannte Matrix-Metalloproteinasen (MMPs) – bauen Strukturproteine wie Kollagen und Elastin ab. So bleibt das Lungengewebe elastisch und funktionsfähig.
Fibrose-ähnlicher Phänotyp mit messbaren Funktionsverlusten
Das Team um die Letztautoren der Studie, Önder Yildirim (Direktor Standort München, Deutsches Zentrum für Lungenforschung, CPC-M) und Christian Grimm (Walther-Straub-Institut für Pharmakologie und Toxikologie der LMU/Pharmacology Department, University of Oxford, UK) fanden heraus:
Fehlt TRPML1, funktioniert diese Freisetzung nicht richtig. Die MMPs gelangen nicht mehr in ausreichender Menge ins Gewebe. Die Folge: Kollagen und Elastin lagern sich übermäßig ab, die Lunge verhärtet und verliert an Elastizität – ein typisches Merkmal der Lungenfibrose.
In Versuchen mit Mäusen ohne TRPML1 zeigte sich genau dieses Bild: steifere Lungen, weniger Dehnbarkeit und deutlich mehr Kollagen und Elastin. Der Zustand ähnelte stark dem bekannten Bleomycin-Modell, das experimentell Lungenfibrose auslöst. Eine zusätzliche Bleomycin-Gabe verschlimmerte die Symptome daher nicht weiter – die Fibrose war bereits maximal ausgeprägt.
Ausblick: Ein neuer therapeutischer Ansatz?
In Experimenten zeigte das Team, dass die gezielte pharmakologische Aktivierung von TRPML1 die Freisetzung der betroffenen Matrix-Metalloproteinasen deutlich steigert, allerdings nur in Zellen mit intaktem Kanal und nicht in Zellen, denen dieser Kanal fehlt. Das macht TRPML1 zu einem möglichen neuen Ansatzpunkt für Therapien gegen Lungenfibrose.
Weitere beteiligte DZL-Forschende waren: Aicha Jeridi, Herbert Schiller, Sebastian Kobold, Thomas Gudermann, Alexander Dietrich (alle CPC-M, München)
Original-Publikation:
Eva-Maria Weiden et al., TRPML1 suppresses pulmonary fibrosis by limiting collagen and elastin deposition, The EMBO Journal, 2026
https://link.springer.com/article/10.1038/s44318-026-00712-4
Die "American Thoracic Society" zeichnet Önder Yildirim für „herausragende Forschung und Verdienste als internationales Mitglied” für seine bahnbrechende Forschung aus, die zum Verständnis und zur Behandlung von Lungenerkrankungen beiträgt.
Prof. Dr. Önder Yildirim, Direktor des Instituts für Lungengesundheit und Immunität (LHI/Helmholtz München) und des Instituts für Experimentelle Pneumologie (Ludwig-Maximilians-Universität München), erhielt den ATS Assembly Award für herausragende Forschung und Verdienste eines internationalen Mitglieds im Bereich RCMB, der vom Auswahlkomitee des Assembly on Respiratory Cell and Molecular Biology (RCMB) vergeben wird.
Mit dieser renommierten Auszeichnung würdigt die American Thoracic Society (ATS) Forscher mit Haupttätigkeitsort außerhalb der Vereinigten Staaten oder Kanadas, die sich durch bahnbrechende Forschungsarbeiten verdient gemacht haben, die zum Verständnis und zur Behandlung von Lungenerkrankungen beitragen. Die ATS würdigt auch Wissenschaftler, die ihrer Mission folgen, „das langfristige Ziel zu fördern, die Morbidität und Mortalität aufgrund von Atemwegserkrankungen und lebensbedrohlichen akuten Erkrankungen durch ein besseres Verständnis der biologischen Grundlagen von Lungenerkrankungen zu verringern“.
„Es ist eine große Ehre, diese Anerkennung von der American Thoracic Society zu erhalten”, sagte Prof. Dr. Önder Yildirim, der auch Direktor des CPC-M, dem Münchner Standort des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL), ist. „Diese Auszeichnung spiegelt das Engagement und die Exzellenz unseres internationalen Teams am LHI und CPC-M wider, unsere Lungenforschung durch Zusammenarbeit, Innovation und eine gemeinsame Vision zur Verbesserung der Lungengesundheit weltweit voranzutreiben.”
Die Auszeichnung wurde auf der ATS International Conference im Mai 2025 in San Francisco verliehen. Herzlichen Glückwunsch!
Über ATS/RCMB:
Die American Thoracic Society wurde 1905 gegründet und ist die weltweit führende medizinische Gesellschaft, die sich der Förderung der globalen Gesundheit der Atemwege durch multidisziplinäre Zusammenarbeit, Aufklärung und Interessenvertretung verschrieben hat. Die Kernaktivitäten der mehr als 16.000 Mitglieder der Gesellschaft in 133 Ländern konzentrieren sich auf führende wissenschaftliche Entdeckungen, die Förderung der beruflichen Entwicklung, die Verbesserung der globalen Gesundheit und die Transformation der Patientenversorgung.
Die Assembly on Respiratory Cell and Molecular Biology (RCMB) dient als dynamischer Knotenpunkt für ihre vielfältigen Mitglieder auf der ganzen Welt und stärkt so die Gemeinschaft der Atemwegsforscher.