News | 31.10.2023
PUBLIKATION IM FACHMAGAZIN THE LANCET INFECTIOUS DISEASES

Neues Tool erleichtert Tuberkulose-Diagnose bei Kindern

Ein LMU-geführtes internationales Forschungskonsortium hat ein Tool getestet, das mithilfe einer Blutprobe aus der Fingerkuppe die Tuberkulose-Diagnose bei Kindern deutlich verbessern könnte.
Weltweit sterben jährlich etwa 240.000 Kinder an Tuberkulose. Damit gehört die Erkrankung zu den zehn häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Einer der Hauptgründe ist, dass besonders in ressourcenschwachen Regionen die Erkrankung oft nicht richtig und nicht rechtzeitig diagnostiziert wird. Einen wichtigen Fortschritt kann nun ein neues Diagnostik-Tool bringen, das ein internationales Forschungskonsortium um die LMU-Mediziner Laura Olbrich und Norbert Heinrich vom Tropeninstitut des LMU Klinikums im Rahmen einer groß angelegten Studie in fünf Ländern getestet hat. Über ihre Ergebnisse berichten die Autoren im Fachmagazin The Lancet Infectious Diseases.
Labormitarbeiterin Deepa vom Christian Medical College (Vellore, Indien) präsentiert die untersuchte Testkartusche
Bisher gängige Tuberkulose-Tests basieren in der Regel auf dem mikrobiellen Nachweis im Sputum, also dem Sekret der tiefen Atemwege. Diese Proben sind bei Kindern schwierig zu gewinnen, zudem ist die Kindertuberkulose oft durch eine niedrige Bakterienlast und unspezifische Symptome gekennzeichnet. „Deswegen brauchen wir unbedingt neue Tests“, sagt Olbrich.

Einfache und schnelle Blutuntersuchung

Das neue Tool, das die Forschenden nun getestet haben, basiert auf der Aktivität dreier bestimmter Gene, die im Kapillarblut analysiert werden können. Mithilfe eines innovativen, halb-automatischen Systems wird eine sogenannte Transkriptionssignatur dieser Gene ermittelt. Diese Transkriptionssignatur kann helfen, die Tuberkulose zu diagnostizieren. Der Test hat den Vorteil, dass die Blutprobe einfach an der Fingerkuppe entnommen werden kann und das Ergebnis sehr schnell feststeht: „In knapp über einer Stunde ist das Ergebnis da. Bei den meisten anderen Tests muss man die Proben erst in andere Labore schicken“, sagt Olbrich.

Getestet haben die Forschenden das neue Tool im Rahmen der von Heinrich geleiteten umfangreichen RaPaed-TB-Tuberkulose-Studie zusammen mit Kooperationspartnern in Südafrika, Mosambik, Tansania, Malawi und Indien. Insgesamt wurden 975 Kinder unter 15 Jahren in die Studie einbezogen, bei denen Verdacht auf Tuberkulose bestand. Um die Genauigkeit des Tests zu ermitteln, untersuchten die Forschenden den Tuberkulosestatus der Kinder zusätzlich mithilfe eines standardisierten Referenztests, der auf der Untersuchung von Sputum und Kultivierung der Bakterien beruht.

„Die Ergebnisse waren ermutigend“, sagt Olbrich. „Der Test hat im Vergleich zum kulturellen Nachweis knapp 60 Prozent der Kinder mit Tuberkulose identifiziert, mit einer 90-prozentigen Spezifität. Damit ist der neue Test vergleichbar oder besser als alle anderen Tests, die mit Biomarkern arbeiten. Die Bakterienkultur ist immer die Referenz, weil sie die stabilsten Ergebnisse bringt. Aber sie dauert bis zu acht Wochen und ist meist vor Ort nicht erhältlich.“ Da die Referenzsignatur weitgehend an Erwachsenen ermittelt wurde, gehen die Forschenden außerdem davon aus, dass die Testergebnisse weiter verbessert werden können, wenn die für den Test verwendete Signatur für Kinder angepasst wird.


Originalmeldung: LMU, 31.10.2023

Weitere Informationen

Publikation

Partner des RaPaed-TB Konsortiums

  • Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin, LMU Klinikum München
  • Center for International Health LMU (CIHLMU )
  • Centre for Clinical Microbiology, University College of London, UK
  • Clinical Research Department, London School of Hygiene & Tropical Medicine, London, UK
  • Department of Clinical Microbiology, Christian Medical College (CMC), Vellore, Indien
  • Department of Paediatrics and Child Health, SA-MRC Unit on Child and Adolescent Health,
  • Department of Paediatrics, University of Melbourne and Murdoch Children’s Research Institute, Melbourne, VIC, Australien
  • Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), Standort München
  • Forschungszentrum Borstel (FZB), Borstel
  • Foundation for Innovative New Diagnostics (FIND), Geneva, Schweiz
  • Fraunhofer-Institut für Translationale Medizin und Pharmakologie ITMP - Immunologie, Infektions- und Pandemieforschung IIP, Penzberg/München
  • Helse Nord Tuberculosis Initiative, Department of Pathology, Kamuzu University of Health Sciences, Blantyre, Malawi
  • Immunology Research Group, Division of Molecular Biology & Human Genetics, Faculty of Medicine and Health Sciences; Stellenbosch University, Stellenbosch, Südafrika
  • Instituto Nacional de Saúde (INS), Marracuene, Mosambik
  • Mbeya Medical Research Centre, National Institute for Medical Research (MMRC), Mbeya, Tansania
  • Oxford Vaccine Group, Department of Paediatrics and the NIHR Oxford Biomedical Research Centre, University of Oxford, UK
  • Pediatric Infectious Diseases, Department of Pediatrics, Christian Medical College, Vellore, Indien
  • Research Center for Environmental Health (HMGU), Neuherberg
  • Unit Global Health, Helmholtz Zentrum München
  • University of Cape Town Lung Institute (UCTLI), Kapstadt, Südafrika

Förderung

Diese Studie wurde von der European and Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP2-Programm, unterstützt von der EU; RIA2016MC-1623) finanziert. Weitere Mittel wurden vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und Beckman Coulter bereitgestellt. Cepheid stellte dem RaPaed-TB-Konsortium Testkits und GeneXpert-Plattformen kostenlos zur Verfügung.

Dr. med. Laura Olbrich

Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin