Kindliche Hörstörungen
Pädaudiologie: Früherkennung, Versorgung, Förderung
Eine mögliche kindliche Hörstörung wird in der Abteilung Phoniatrie und Pädaudiologie der HNO-Klinik des LMU Klinikums München abgeklärt, wenn das Neugeborenen-Hörscreening auch in der Kontrolle auffällig bleibt oder später Hinweise auf eine Hörstörung auftreten. Die Untersuchungen sind schmerzlos. Die Therapie wird auf das Kind abgestimmt, von Hörgeräten bis zum Cochlea-Implantat, und begleitet seine Entwicklung.
Früherkennung
Die ersten Lebensjahre sind die entscheidende Phase der Sprachentwicklung: eine Hörstörung, die in dieser Zeit unerkannt bleibt, kann die gesamte Entwicklung des Kindes beeinträchtigen. Etwa ein bis drei von tausend Neugeborenen kommen mit einer Hörstörung zur Welt. Seit 2009 haben deshalb bundesweit alle Neugeborenen Anspruch auf ein Hörscreening, das in der Regel noch in der Geburtsklinik stattfindet. Gemessen wird schmerzlos am schlafenden Kind, mit objektiven Verfahren wie der Messung otoakustischer Emissionen (TEOAE), der Schallantworten des Innenohrs. Ein auffälliges Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass das Kind schwerhörig ist. Erst wenn sich der Verdacht bei der Kontrolluntersuchung bestätigt, ist eine weitere Abklärung erforderlich.
Diagnostik
Bei Auffälligkeiten im Neugeborenen-Hörscreening wird das Hörvermögen spätestens bis zur Früherkennungsuntersuchung U2 erneut mit demselben Verfahren kontrolliert. Ist auch diese Kontrolle auffällig, wird das kindliche Hörvermögen in der Pädaudiologie abgeklärt.
Mit der Hirnstammaudiometrie (AABR, BERA) können dabei durch Töne ausgelöste Hirnströme gemessen werden – je nach Bedarf auch frequenzspezifisch im Spontanschlaf oder in Narkose (Notched-Noise-BERA, Chirp-BERA). Ergänzend lassen sich die ASSR (Auditory Steady-State Responses, frequenzbezogene Hirnstromantworten) messen. Hinzu kommen die altersgerechte Verhaltens- und Spielaudiometrie und die Diagnostik der Sprachentwicklung.
Kindliche Hörstörungen sind angeboren oder erworben. Am häufigsten ist die Schallleitungsschwerhörigkeit durch Erkrankungen des Mittelohrs oder des Gehörgangs, oft nach Infekten. Behandelt wird sie meist mit Medikamenten, etwa mit abschwellenden Nasentropfen, bei Bedarf auch operativ. Bei der Schallempfindungsschwerhörigkeit sind die Haarsinneszellen im Innenohr geschädigt. Je nach Ausprägung werden die Kinder früh mit Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten versorgt. Häufig liegen kombinierte Formen vor.
Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS)
Manche Kinder hören im Hörtest normal und haben trotzdem Schwierigkeiten, Gehörtes zu verarbeiten: Sie können schlecht orten, woher ein Geräusch kommt, ähnliche Laute schwer unterscheiden, Klangmuster schlecht erkennen, zeitliche Abfolgen beim Hören schwer erfassen oder Sprache bei Störgeräuschen oder leisen Signalen kaum verstehen. Eine mögliche Ursache hierfür ist eine auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) – eine Störung der zentralen Hörverarbeitung ohne messbare Schwerhörigkeit. Bei Kindern lässt sich eine AVWS frühestens ab einem Alter von fünfeinhalb Jahren diagnostizieren. Die HNO-Klinik des LMU Klinikums kann Untersuchungen auf AVWS derzeit aus Kapazitätsgründen nicht anbieten.
Therapie und Förderung
Kinder mit Hörstörung werden bei Bedarf mit Hörgeräten versorgt, bei hochgradiger Schwerhörigkeit mit Cochlea-Implantaten (elektronischen Innenohrprothesen). Das Implantat wird in der Ohrchirurgie der Klinik eingesetzt und in der Abteilung Audiologie angepasst. Die Pädaudiologie begleitet das Kind mit Logopädie und Frühförderung.
Häufige Fragen
Zeigen sich beim Neugeborenen-Hörscreening Auffälligkeiten, wird das Ergebnis spätestens bis zur Früherkennungsuntersuchung U2 mit demselben Verfahren kontrolliert. Erst wenn auch diese Kontrolle auffällig ist, folgt eine weitere Abklärung. In der Abteilung Phoniatrie und Pädaudiologie der HNO-Klinik des LMU Klinikums werden Kinder mit Verdacht auf eine Hörstörung altersgerecht untersucht. Bei vielen von ihnen ist das Gehör intakt; bei den anderen kann früh eine passende Versorgung beginnen.
Termine und Kontakte
Phoniatrie und Pädaudiologie
Campus Großhadern: +49 (0)89 4400-73861
Campus Innenstadt: +49 (0)89 4400-53971
Telefonisch erreichbar von Montag bis Freitag: 8:00 bis 12:00 Uhr
Termin per E-Mail an: phoniatrie@med.uni-muenchen.de
Fachlich verantwortlich: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Martin Canis, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am LMU Klinikum · Stand Oktober 2026