Kopf-Hals-Tumoren
Tumoren in Mundhöhle, Rachen, Kehlkopf, Nase und Nasennebenhöhlen und an den Speicheldrüsen werden an der HNO-Klinik des LMU Klinikums leitliniengerecht in einem zertifizierten Zentrum behandelt: Das Kopf-Hals-Tumorzentrum ist Teil des Comprehensive Cancer Center München und wurde nach den Vorgaben der Deutschen Krebsgesellschaft als Kopf-Hals-Tumor-Zentrum zertifiziert, erstmals 2017, zuletzt 2025. Die Behandlungspläne werden im interdisziplinären Kopf-Hals-Tumorboard abgestimmt, einer gemeinsamen Fallkonferenz von Chirurgie, Strahlentherapie, medikamentöser Onkologie, Radiologie und Pathologie.
Der Sonderforschungsbereich Transregio 1784 und die Arbeitsgruppe Molekulare Onkologie untersuchen, wie Tumorzellen im Kopf-Hals-Bereich streuen und welche Angriffspunkte sich daraus für Therapien ergeben. Vorrang hat die vollständige Behandlung des Tumors, zugleich plant die HNO-Klinik des LMU Klinikums jede Therapie so, dass die zentralen Funktionen Kauen, Schlucken, Sprechen und Atmen möglichst uneingeschränkt erhalten bleiben und Nebenwirkungen gering gehalten werden. Für Tumoren der Schädelbasis erarbeitet das interdisziplinäre Schädelbasisboard, an dem die HNO-Klinik des LMU Klinikums beteiligt ist, die Behandlungsempfehlung (siehe Schädelbasischirurgie).
Behandlungsschwerpunkte
Erkrankungsfälle und Risiken
In Deutschland erkranken jährlich mehr als 15.000 Menschen an einem Kopf-Hals-Tumor. Zirka neun von zehn dieser Tumoren sind Plattenepithelkarzinome, bösartige Tumoren der Schleimhaut von Nase, Mund, Rachen und Kehlkopf. Die wichtigsten Risikofaktoren sind Rauchen und Alkohol, zugleich geht ein wachsender Anteil der Rachentumoren auf humane Papillomviren (HPV) zurück.
Das Behandlungsspektrum der HNO-Klinik des LMU Klinikums umfasst gut- und bösartige Tumoren des Kopf-Hals-Bereichs: Karzinome von Mundhöhle, Rachen, Kehlkopf, Nasenrachen und Nasennebenhöhlen, bösartige Tumoren der Haut von Kopf und Hals, Speicheldrüsentumoren, Sarkome (bösartige Tumoren des Binde- und Stützgewebes) sowie die Abklärung bei Verdacht auf ein Lymphom. Zu den Warnzeichen für einen Kopf-Hals-Tumor, die eine HNO-ärztliche Untersuchung verlangen, gehören:
- Über mehr als drei Wochen bestehende Heiserkeit und Fremdkörpergefühl im Hals,
- später hinzukommende Atemnot (Kehlkopf),
- andauernde Schluckbeschwerden (Rachen),
- eine nicht heilende Stelle im Mund,
- ein Knoten, eine Schwellung oder Schmerzen am Hals,
- eine einseitig verstopfte Nase mit blutigem Sekret,
- eine Gesichtsnervenlähmung bei Tumoren der Ohrspeicheldrüse.
Abklärung
Zur Abklärung eines Verdachts auf einen Kopf-Hals-Tumor gehören an der HNO-Klinik des LMU Klinikums die Untersuchung mit Spiegel und Endoskop, ein Ultraschall sowie bei Bedarf eine Bildgebung des Halses mit CT oder MRT. Zur Abklärung möglicher Absiedlungen (Metastasen) können weitere Untersuchungen wie beispielsweise ein Ultraschall des Oberbauchs, Röntgen oder CT der Lunge hinzukommen. Gesichert wird die Diagnose durch die Panendoskopie, eine Spiegelung in Narkose, bei der der gesamte obere Atem- und Speiseweg auf weitere Tumoren untersucht und eine Gewebeprobe entnommen wird. Alle Befunde gehen ins Tumorboard.
Roboterchirurgie (TORS)
Die transorale Roboterchirurgie (TORS) ist an der HNO-Klinik des LMU Klinikums München ein Verfahren für ausgewählte Tumoren des Rachens und des Zungengrunds. Der Zugang erfolgt ohne äußeren Schnitt durch den Mund mit dem Ziel, wichtige Funktionen wie Schlucken und Sprechen bestmöglich zu schonen
Laserchirurgie
Tumoren des Kehlkopfs und des Rachens werden an der HNO-Klinik des LMU Klinikums in vielen Fällen mit Hilfe der transoralen Laserchirurgie behandelt, einer Operation per Laser durch den Mund. In frühen Erkrankungsstadien und bei kleinen Tumoren bleibt das betroffene Organ dabei oft erhalten; bei kleinen Kehlkopftumoren im Frühstadium reicht die Laseroperation häufig allein aus, eine anschließende Strahlenbehandlung ist dann nicht erforderlich. Bei Kehlkopftumoren lässt sich per Laserresektion unter dem Mikroskop meist ein Luftröhrenschnitt vermeiden, was für die Patientin oder den Patienten in der Regel mit geringeren Belastungen und einem kürzeren Krankenhausaufenthalt einhergeht. Ist ein Kehlkopftumor bereits fortgeschritten, kann jedoch die Entfernung des gesamten Kehlkopfs (Laryngektomie) notwendig sein.
Weitere Verfahren bei Kopf-Hals-Tumoren
Während einer Tumoroperation im Kopf-Hals-Bereich an der HNO-Klinik des LMU Klinikums werden die Funktionen wichtiger Nerven durch sogenanntes Neuromonitoring überwacht.
Bei Eingriffen an Nase, Nasennebenhöhlen und Schädelbasis arbeitet die Klinik zudem mit computergestützter Navigation, welche die Lage der Instrumente anhand von Bilddaten exakt anzeigt.
Reicht ein Tumor bis in das Felsenbein, den Teil des Schläfenbeins, der Mittel- und Innenohr umschließt, entfernt ihn die Klinik mit erweiterter Tumorchirurgie in diesem Bereich.
Rekonstruktive Mikrochirurgie
Defekte nach Tumoroperationen rekonstruiert die HNO-Klinik des LMU Klinikums in derselben Operation mit körpereigenem Gewebe. Müssen größere Teile von Zunge, Mundboden, Rachen oder Kiefer entfernt werden, wird der Defekt meist durch freien Gewebetransfer verschlossen: Gewebe aus Unterarm, Oberschenkel oder Wadenbein wird dazu mit seinen Blutgefäßen entnommen und unter dem Mikroskop an Gefäße im Operationsgebiet angeschlossen, damit Schlucken und Sprechen möglichst erhalten bleiben. Neben der Funktion berücksichtigt die Rekonstruktion auch das äußere Erscheinungsbild. Hierfür setzt die Klinik plastisch-chirurgische Verfahren ein. Zum Spektrum gehört zudem auch die Rekonstruktion des Gesichtsnervs.
Bei ausgedehnten Tumoren lassen sich ein vorübergehender Luftröhrenschnitt oder die Ernährung über eine Magensonde für zehn bis vierzehn Tage nicht immer vermeiden – beide sichern in dieser Zeit Atmung und Ernährung und werden so früh wie möglich beendet. Doch noch während des stationären Aufenthalts werden unsere Patientinnen und Patienten bereits von Physiotherapeuten und Logopäden sprech- und schlucktherapeutisch begleitet, um die Nachwirkungen des operativen Eingriffs gezielt zu reduzieren und die Rückkehr in den Alltag zu erleichtern.
Strahlen-, Chemo- und Immuntherapie
Strahlen-, Chemo- und Immuntherapie plant das Kopf-Hals-Tumorzentrum der HNO-Klinik des LMU Klinikums gemeinsam mit Strahlentherapie und medizinischer Onkologie: Bei ausgedehntem Befund, bei Absiedlungen in den Halslymphknoten oder bei ungünstiger Lage folgt der Operation eine Strahlentherapie, bei Bedarf kombiniert mit Chemotherapie. In bestimmten Situationen ersetzt die kombinierte Strahlen-Chemotherapie die Operation.
Seit einigen Jahren gehören Immuntherapien mit Checkpoint-Inhibitoren zur Behandlung fortgeschrittener Kopf-Hals-Tumoren, auch an der HNO-Klinik des LMU Klinikums. Diese Medikamente lösen eine Blockade, mit der Tumoren das Immunsystem ausschalten. Die körpereigene Abwehr wird damit in die Lage versetzt, den Tumor anzugreifen. Die Weiterentwicklung der Immuntherapie bei Kopf-Hals-Tumoren ist ein Forschungsschwerpunkt der HNO-Klinik des LMU Klinikums.
Weitere therapeutische Verfahren
Ein eigenständiges Verfahren ist die photodynamische Therapie, welche die HNO-Klinik des LMU Klinikums ebenfalls anbietet: Die Patientin oder der Patient erhält dabei einen lichtempfindlichen Wirkstoff, der sich im Tumorgewebe anreichert. Einige Zeit später wird das Gewebe mit Laserlicht belichtet, der dadurch aktivierte Wirkstoff schädigt die Tumorzellen.
Kopf-Hals-Tumorzentrum und Tumorboard
Das Kopf-Hals-Tumorzentrum der HNO-Klinik des LMU Klinikums München ist von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert und Teil des Comprehensive Cancer Center München. Prof. Dr. med. Christoph Reichel koordiniert das Zentrum und leitet das interdisziplinäre Tumorboard.
Supportivzentrum
Das Supportivzentrum der HNO-Klinik des LMU Klinikums München begleitet Patientinnen und Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren gemeinsam mit dem Comprehensive Cancer Center München während und nach der Tumorbehandlung. Hierzu gehören unterstützende Angebote wie Ernährungsberatung, Schmerztherapie, Logopädie, Physiotherapie, Psychoonkologie und Beratung zu Selbsthilfe.
Nachsorge
Die Nachsorge nach einer Kopf-Hals-Tumorbehandlung an der HNO-Klinik des LMU Klinikums findet im Kopf-Hals-Tumorzentrum statt. Der Zeitraum beträgt in der Regel fünf Jahre und wird gemeinsam mit den beteiligten Disziplinen festgelegt. In der ersten Zeit nach der Behandlung finden die Kontrollen etwa alle sechs Wochen statt, um Funktionsprobleme früh zu erkennen. Bis etwa zwei Jahre nach der Behandlung folgen sie alle zwei bis drei Monate. In dieser Phase richtet sich die Aufmerksamkeit vor allem darauf, ein erneutes Wachstum des Tumors im behandelten Bereich (Rezidiv) früh zu erkennen und zu behandeln. Bis zum fünften Jahr achtet das Zentrum zusätzlich darauf, ob an anderer Stelle im Kopf-Hals-Bereich ein neuer Tumor entsteht. Mit den niedergelassenen HNO-Ärztinnen und -Ärzten stimmt sich das Zentrum in der Nachsorge ab: Physiotherapie, Logopädie und Rehabilitationseinrichtungen werden eingebunden.
Häufige Fragen
Auf einen Kopf-Hals-Tumor können Beschwerden hinweisen, die HNO-ärztlich abgeklärt werden sollten: Heiserkeit, die länger als drei Wochen anhält, Schluckbeschwerden, eine nicht heilende Stelle im Mund, ein Knoten am Hals und eine einseitig verstopfte Nase mit blutigem Sekret. Nicht jedes dieser Zeichen bedeutet Krebs, aber jedes sollte untersucht werden.
Im Tumorboard des Kopf-Hals-Tumorzentrums der HNO-Klinik des LMU Klinikums besprechen Fachärztinnen und Fachärzte mehrerer Disziplinen Befunde, Bildgebung und Gewebeprobe und legen gemeinsam einen Behandlungsvorschlag fest, der anschließend mit der Patientin oder dem Patienten besprochen wird.
Eine Zweitmeinung zu Diagnose oder Therapieempfehlung bei einem Kopf-Hals-Tumor können Sie über das Zweitmeinungsformular der HNO-Klinik des LMU Klinikums anfragen.
Ob für Ihre Kopf-Hals-Tumorerkrankung eine laufende klinische Studie infrage kommt, wird im Behandlungsgespräch an der HNO-Klinik des LMU Klinikums erörtert. Die Entscheidung über eine Teilnahme liegt selbstverständlich bei Ihnen.
Ein zertifiziertes Kopf-Hals-Tumorzentrum wird von der Deutschen Krebsgesellschaft regelmäßig auf Strukturen, Abläufe und Ergebnisse geprüft. Die Zertifizierung belegt, dass Diagnostik, Behandlung und Nachsorge nach festgelegten Qualitätsanforderungen erfolgen. Das Kopf-Hals-Tumorzentrum der HNO-Klinik des LMU Klinikums wurde 2017 erstmals zertifiziert und 2025 rezertifiziert; die Urkunde gilt bis März 2029.
Termine und Kontakte
Tumorsprechstunde
Campus Großhadern: Mittwoch und Donnerstag 8:00 bis 15:30 Uhr, Freitag 8:00 bis 14:30 Uhr (Prof. Baumeister, Dr. Lechner)
Terminvergabe: +49 (0)89 4400-73889
Tumor- und Speicheldrüsensprechstunde
Campus Innenstadt: Donnerstag 8:00 bis 15:30 Uhr (Prof. Reichel)
Terminvergabe: +49 (0)89 4400-53641
Telefonsprechstunde
Informationen folgen
Fachlich verantwortlich: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Martin Canis, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am LMU Klinikum · Stand Oktober 2026