Kindliche Hörstörungen

Pädaudiologie: Früherkennung, Versorgung, Förderung

Eine mögliche kindliche Hörstörung wird in der Abteilung Phoniatrie und Pädaudiologie der HNO-Klinik des LMU Klinikums München umfassend abgeklärt. Die Untersuchungen sind schmerzlos und schaffen Klarheit, wenn das Neugeborenen-Hörscreening auch in der Kontrolle auffällig bleibt oder später Hinweise auf eine Hörstörung auftreten. Die anschließende Therapie wird individuell auf den Einzelfall abgestimmt und zielt darauf ab, die kindliche Entwicklung nachhaltig zu unterstützen und zu fördern. Bei Bedarf können auch Kinder mit Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten versorgt werden. 

56
Cochlea-Implantationen bei Kindern 2024
Pädaudiologische Untersuchungen pro Jahr

Behandlungsschwerpunkte

Früherkennung

Die ersten Lebensjahre sind die entscheidende Phase der Sprachentwicklung. Eine Hörstörung, die in dieser Zeit unerkannt bleibt, kann damit die gesamte Entwicklung des Kindes nachhaltig beeinträchtigen. Etwa ein bis drei von tausend Neugeborenen kommen mit einer Hörstörung zur Welt. Seit 2009 haben deshalb bundesweit alle Neugeborenen Anspruch auf ein Hörscreening. Das Neugeborenen-Hörscreening findet in der Regel noch in der Geburtsklinik statt. Gemessen wird schmerzlos am schlafenden Kind, mit objektiven Verfahren wie der Messung otoakustischer Emissionen (TEOAE), also der Schallantworten des Innenohrs. Ein auffälliges Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass das Kind schwerhörig ist. Erst wenn sich der Verdacht bei einer späteren Kontrolluntersuchung bestätigt, ist eine umfassendere Abklärung erforderlich, um frühestmöglich die passende Therapie einzuleiten.  

Diagnostik

Bei Auffälligkeiten im Neugeborenen-Hörscreening wird das kindliche Hörvermögen spätestens bis zur Früherkennungsuntersuchung U2 erneut mit demselben Verfahren kontrolliert. Ist auch diese Kontrolle auffällig, wird das Gehör in der Abteilung Phoniatrie und Pädaudiologie der HNO-Klinik des LMU Klinikums abgeklärt. 

Mit der Hirnstammaudiometrie (AABR, BERA) können dabei durch Töne ausgelöste Hirnströme gemessen werden – je nach Bedarf auch frequenzspezifisch im Spontanschlaf oder in Narkose (Notched-Noise-BERA, Chirp-BERA). Ergänzend lassen sich die ASSR (Auditory Steady-State Responses, frequenzbezogene Hirnstromantworten) messen. Hinzu kommen die altersgerechte Verhaltens- und Spielaudiometrie und die Diagnostik der Sprachentwicklung. 

Kindliche Hörstörungen sind angeboren oder erworben. Am häufigsten ist die Schallleitungsschwerhörigkeit durch Erkrankungen des Mittelohrs oder des Gehörgangs, oft nach Infekten. Behandelt wird sie meist mit Medikamenten, etwa mit abschwellenden Nasentropfen, bei Bedarf auch operativ. Bei der Schallempfindungsschwerhörigkeit sind die Haarsinneszellen im Innenohr geschädigt. Je nach Ausprägung werden die Kinder früh mit Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten versorgt. Häufig liegen kombinierte Formen vor.

Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS)

Manche Kinder hören im Hörtest normal und haben trotzdem Schwierigkeiten, Gehörtes zu verarbeiten: Sie können schlecht orten, woher ein Geräusch kommt, ähnliche Laute schwer unterscheiden, Sprache bei Störgeräuschen kaum verstehen oder sich Gehörtes schlecht merken. Eine mögliche Ursache hierfür ist eine auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) – eine Störung der zentralen Hörverarbeitung ohne messbare Schwerhörigkeit. Bei Kindern lässt sich eine AVWS frühestens ab einem Alter von fünfeinhalb Jahren diagnostizieren. Die HNO-Klinik des LMU Klinikums kann Untersuchungen auf AVWS derzeit aus Kapazitätsgründen nicht anbieten.

Therapie und Förderung

Kinder mit Hörstörung werden mit Hörgeräten versorgt, bei hochgradiger Schwerhörigkeit mit Cochlea-Implantaten (elektronischen Innenohrprothesen). An der HNO-Klinik des LMU Klinikums wird das Implantat in der Ohrchirurgie eingesetzt und in der Abteilung Audiologie (AUDIOMUC) angepasst. Die Abteilung Phoniatrie und Pädaudiologie begleitet das Kind mit Logopädie und Frühförderung. Bei den Untersuchungen begleitet das Maskottchen des AUDIOMUC die Kinder.

 Häufige Fragen

Zeigen sich beim Neugeborenen-Hörscreening Auffälligkeiten, wird das Ergebnis spätestens bis zur Früherkennungsuntersuchung U2 mit demselben Verfahren kontrolliert. Erste wenn auch diese Kontrolluntersuchung zu einem auffälligen Ergebnis führt, ist eine weitere Abklärung erforderlich. In der Abteilung Phoniatrie und Pädaudiologie der HNO-Klinik des LMU Klinikums werden Kinder mit Verdacht auf eine Hörstörung umfassend und altersgerecht untersucht. Bei vielen von ihnen ist das Gehör intakt. Bei den anderen kann frühzeitig eine individuell angepasste  Versorgung eingeleitet und damit die kindliche Entwicklung trotz Hörstörung bestmöglich gefördert werden.

Ihre Ansprechpartner
Univ.-Prof. Dr. med. Matthias Echternach
Leitung Abteilung Phoniatrie und Pädaudiologie
  Dr. med. Marie-Anne Kainz
 Fachärztin für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde sowie Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen
Prof. Dr.-Ing. et med. habil. Tobias Rader 
 Leitung Abteilung Audiologie

Termine und  Kontakte

Phoniatrie und Pädaudiologie

Campus Großhadern: +49 (0)89 4400-73861 

Campus Innenstadt: +49 (0)89 4400-53971

Telefonisch erreichbar von Montag bis Freitag: 8:00 bis 12:00 Uhr 

Termin per E-Mail an: phoniatrie@med.uni-muenchen.de

Fachlich verantwortlich: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Martin Canis, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am LMU Klinikum · Stand Oktober 2026