Arzneimitteltherapiesicherheit 2
Arzneimittel sind wichtiger Bestandteil der Versorgung von Palliativpatientinnen und -patienten. Dabei müssen potentieller Nutzen und potentieller Schaden der Arzneimitteltherapie im aktuellen Kontext ausbalanciert werden. So stellt beispielsweise die Unterscheidung zwischen unerwünschter Arzneimittelwirkung und Krankheitssymptom eine große Herausforderung dar. Der Forschungsbereich Arzneimitteltherapiesicherheit bündelt verschiedene Forschungsprojekte rund um die palliativmedizinische Arzneimitteltherapie. Die großen Themenbereiche sind der zulassungsüberschreitende Arzneimitteleinsatz „Off-Label-Use“, die palliativmedizinische Infusionstherapie, Arzneimittelinformation sowie das Deprescribing, also das Identifizieren und Absetzen überflüssiger Therapien von Therapien.
Ziel aller Forschungsprojekte des Bereichs Arzneimitteltherapiesicherheit ist es, die Bereiche in der medikamentösen Versorgung, die eine potentielle Gefährdung für Patientinnen und Patienten darstellen, zu identifizieren und Strategien im Umgang mit diesen zu entwickeln und zu analysieren.
Leitung und Ansprechpartnerin: PD Dr. Constanze Rémi
Aktuelle Forschungsprojekte zur Arzneimitteltherapiesicherheit in der Palliativmedizin
Hintergrund
Der Ursprung zum Projekt „pall-OLU.de“ wurde auf dem ersten Dr. Werner‐Jackstädt-Experten‐Workshop "Off‐Label-Use in der Palliativmedizin" in 2016 gelegt. Hier beschäftigten sich verschiedene Experten aus den Bereichen Medizin, Pharmazie und Pflege, außerdem Vertreter des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, des Gemeinsamen Bundesausschusses (G‐BA), der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft und des Spitzenverbandes der Krankenkassen mit Therapieentscheidungen zum Off-Label-Use in der klinischen Praxis. Diese Entscheidungen betreffen unmittelbar die Patientensicherheit und der dringend notwendige Unterstützungsbedarf für Entscheider in der Palliativversorgung wurde offensichtlich.
Auf diesen Erkenntnissen aufbauend wurden im Laufe der Jahre verschiedene Broschüren entwickelt, sowie Befragungen, Workshops und Fachkreistagungen mit Experten aus der Palliativversorgung durchgeführt. Das Informationsangebot zum Off-Label-Use wurde erweitert. Die Idee zu einer kostenfrei zugänglichen, einfachen, praxisnahen Plattform zum Off-Label-Use in der Palliativmedizin wurde mit dem Projekt „pall-OLU.de“ umgesetzt.
Seit 2021 fördert die Deutsche Krebshilfe [Fördernr. 70113910, 70115882] das Projekt „Therapieempfehlungen zum Umgang mit Off‐Label‐Use in der Palliativmedizin“ mit der Datenbank pall-OLU.de. Anfang 2024 wurde eine weitere Anschlussförderung bis 2028 genehmigt. Dank dieser Förderung kann die Datenbank pall-OLU.de weiter ausgebaut werden und so zur Arzneimitteltherapiesicherheit in der Palliativversorgung beitragen.
Ziel ist es etwa 400 Empfehlungen in mehr als 80 Arzneimittelmonographien zu veröffentlichen. Die aktuell verfügbaren Empfehlungen werden kontinuierlich aktualisiert und neue Empfehlungen beständig veröffentlicht.
Ziel
Anliegen des Projektes ist es, Informationen zum Off‐Label‐Use palliativmedizinisch relevanter Arzneistoffe zu sammeln, sie in Gestalt von Therapie- bzw. Anwendungsempfehlungen aufzubereiten und in einer Datenbank leicht und kostenfrei zugänglich zu machen. Ein einfacher Zugriff auf diese Informationen trägt dazu bei, flächendeckend eine hochwertige, bedarfs‐ und bedürfnisgerechte Palliativ‐ und Hospizversorgung zu gewährleisten. Wir möchten, dass Palliativpatient:innen ambulant und stationär sicher versorgt werden können.
Deshalb besteht ein wichtiges Anliegen des Projektes darin, Therapieempfehlungen auch für jene Anwendungsgebiete zu formulieren, für die noch keine wissenschaftliche Evidenz vorliegt. Gerade in diesem Bereich sind Therapeut:innen im klinischen Alltag bislang auf sich allein gestellt.
Unsere Empfehlungen sollen das Fachpersonal dabei unterstützen, fundierte Entscheidungen zu Arzneimitteltherapien zu treffen; sie sollen zugleich aber auch die Grenzen des Off‐Label‐Use aufzeigen. Es geht uns also nicht darum, den Off-Label‐Use zu fördern. Vielmehr möchten wir dem palliativmedizinischen Personal einen reflektierten Umgang mit diesem Werkzeug ermöglichen, indem wir den Zugang zu notwendigen Informationen erleichtern. Die Arzneimittelmonographien sollen deshalb auch Vergleiche vereinfachen und Zusammenhänge einzelner Therapieoptionen mit anderen, zugelassenen oder potentiell besser geeigneten Therapiemöglichkeiten aufzeigen.
Methodik
1. Erstellen von Anwendungsempfehlungen für palliativmedizinisch relevante Arzneistoffe in palliativmedizinischen Indikationen außerhalb ihrer Zulassung. Die Erstellung erfolgt in einem erprobten systematischen Verfahren.
2. Konsentieren der Therapieempfehlungen in einem mehrstufigen Verfahren durch eine internationale Expertinnen- und Experten-Runde.
3. Veröffentlichung der Therapieempfehlungen auf pall-OLU.de.
4. Regelmäßige Aktualisierung bestehender und Veröffentlichung neuer Therapieempfehlungen.
Kontakt
Kontakt
Projektkoordination:
Dr. Constanze Rémi (Apothekerin)
Projektteam:
Stefanie Pügge (Fachapothekerin für Klinische Pharmazie)
Dr. Aleksandra Dukić-Ott MSc (Fachapothekerin für Klinische Pharmazie)
Stephanie Büsel (Pharmazeutisch-technische Assistentin)
Karin Blankertz (Pharmazeutisch-technische Assistentin)
Isabelle Pichlmaier (studentische Hilfkraft)
Hintergrund
Übelkeit und Erbrechen belasten Palliativpatientinnen und Palliativpatienten am Lebensende häufig sehr. Die Therapie ist in der klinischen Praxis oft nicht zufriedenstellend und für die Behandelnden in vielen Fällen herausfordernd. Mit dem Projekt soll ein klinischer Behandlungspfad für die Therapie von Übelkeit und Erbrechen bei Palliativpatientinnen und Palliativpatienten entwickelt werden, der Behandelnde bei der zielgerichteten und effektiven Therapie unterstützt und damit schneller zu Symptomlinderung und damit Verbesserung der Lebensqualität führt.
Ziel
Hauptziel ist die Entwicklung und Praxisevaluation eines klinischen Behand lungspfades für die Behandlung von Übelkeit und Erbrechen.
Methodik
Zunächst erfolgte die Erhebung des Status Quo der medikamentösen Therapie von Übelkeit und Erbrechen. Auf Basis aktueller deutsch und englischsprachiger Leitlinien aus dem onkologischen und palliativmedizinischen Setting sowie einer aktuellen Literaturrecherche wurde ein Behandlungspfad für die Therapie von Übelkeit und Erbrechen entwickelt . Im Anschluss wird nun untersucht, ob sich der Behandlungspfad auf die Therapie von Übelkeit und Erbrechen bei Palliativpatientinnen und Palliativpatienten auswirkt und die Therapie verbessert werden kann.
Kontakt
Publikationen
- Berner-Sharma JM, Bausewein C, Rémi C. Management of Nausea and Vomiting in Palliative Care - Real Life Data From a Palliative Care Unit in Germany. Am J Hosp Palliat Care. 2025 Jan 17:10499091251313757
- Berner JM, Blei J, Remi C. Subcutaneous dimenhydrinate and levomepromazine–tolerability and compatibility: observational Study. BMJ Supportive & Palliative Care 2023; doi: 10.1136/spcare-2023-004613 (Open Access)
Forschungsbeiträge
Vorträge
- Berner-Sharma JM. "Update Antiemetische Therapie"; Vortrag im Rahmen des 19. Update Arzneimitteltherpaie und Symptomkontrolle 2025, München
- Berner JM. „Palliativpharmazie – Symptome im Fokus“; Vortrag im Rahmen des Palliativmedizinischen Kolloquiums 2023, Karlsruhe
Poster
- Berner JM, Bausewein C, Rémi C. „Auswirkung eines klinischen Behandlungspfades auf die Therapie von Übelkeit und Erbrechen in der Palliativversorgung“; Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, 2024, Aachen
- Berner JM, Bausewein C, Rémi C. „Entwicklung eines klinischen Behandlungspfades für die Therapie von Übelkeit und Erbrechen in der Palliativversorgung“; Wissenschaftliche Arbeitstage der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Online-Veranstaltung, 2024; Ausgezeichnet mit dem Posterpreis
- Berner JM, Blei J, Rémi C. "Subkutane Applikation von Levomepromazin und Dimenhydrinat: retrospektive Studie zur Verträglichkeit und Kompatibilität"; Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Pharmazie 2023, Münster
- Berner JM, Bausewein C, Rémi C. "Nausea and Vomiting in Palliative Care – Development and Implementation of a Treatment Pathway"; ESCP Aberdeen Symposium 2023, Aberdeen
- Berner JM, Seiberth S, Strobach D, Hug MJ. „Prävalenz von „Double Whammy“-und „Triple Whammy“-Kombinationen bei stationär behandelten chirurgischen Patienten"; 45. Wissenschaftlicher Kongress und Mitgliederversammlungdes Bundesverbandes deutscher Krankenhausapotheker (ADKA), 2020, Virtueller Kongress
Preise & Auszeichnungen
Posterpreis der Wissenschaftlichen Arbeitstage der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin 2024
Abgeschlossene Projekte zur Arzneimitteltherapiesicherheit in der Palliativmedizin
- Krumm, Lisa (2022): Arzneimitteltherapiesicherheit in der Palliativtherapie - Pharmazeutische Analyse palliativmedizinischer Medikationsprozesse. Dissertation zur Erlangung des Titels Dr. rer. biol. hum., LMU München: Medizinische Fakultät.
- Hagemann, Vera (2022): Off-Label Use in der Palliativmedizin - eine Status Erhebung. Dissertation zur Erlangung des Titels Dr. rer. biol. hum., LMU München: Medizinische Fakultät.
- Bauer, Dominik (2018): Auswirkungen einer intersektoralen pharmakotherapeutischen Betreuung durch Apotheker auf die Symptomlast von Palliativpatienten. Dissertation zur Erlangung des Titels Dr. rer. biol. hum., LMU München: Medizinische Fakultät. Weitere Informationen
- Rémi, Constanze (2017): Mischinfusionen in der Palliativmedizin: Kompatibilität und Stabilität palliativmedizinisch-relevanter Arzneimittelmischungen. Dissertation zur Erlangung des Titels Dr. rer. biol. hum., LMU München: Medizinische Fakultät.