KOALA
Kognitive Bias bei Adoleszenten mit Anorexia nervosa - die KOALA-Studie
Gefördert durch die Friedrich-Baur-Stiftung
Wissenschaftlicher Hintergrund und Ziel des Projekts:
Insgesamt konnten 114 Mädchen im Alter von 12-18 Jahren in die Studie eingeschlossen werden: 40 Mädchen mit Anorexia nervosa, 34 Mädchen mit einer Depression oder Angststörung und 40 Mädchen ohne psychische Erkrankung. Die Teilnehmerinnen bearbeiteten Aufgaben am Computer, mit deren Hilfe Verzerrungen in der Informationsverarbeitung auf verschiedenen Ebenen erfasst wurden.
Die Ergebnisse zeigten, dass sowohl Jugendliche mit Anorexia nervosa als auch jene mit einer Depression oder Angststörung im Vergleich zu Jugendlichen ohne psychische Erkrankung mehrdeutige Informationen negativer interpretierten. Zudem erinnerten sie sich an negative Informationen besser als an positive. Das heißt, sie zeigten kognitive Bias in der Interpretation von und dem Gedächtnis für bestimmte Informationen.
Abbildung: Ergebnisse für Interpretations-Bias (IB) sowie Gedächtnis-Bias (MB) für die 3 Gruppen: AN = Jugendliche mit Anorexia nervosa, CC = klinische Kontrollgruppe, also Jugendliche mit Depression und/oder Angststörungen, HC = gesunde Kontrollgruppe, also Jugendliche ohne psychische Erkrankungen. Die Werte stellen negative Bias dar, je höher der Wert desto ausgeprägter der negative Bias. Links sind Bias für essstörungsbezogene Informationen dargestellt, rechts Bias für nicht-essstörungsbezogene Informationen. Es zeigten sich für alle erfassten Bias signifikante Gruppenunterschiede (*** p < .001) zwischen den beiden klinischen Gruppen (AN und CC) und der gesunden Kontrollgruppe (HC).
Die negativen Verzerrungen waren bei Jugendlichen mit Anorexia nervosa und Jugendlichen mit einer Depression oder Angststörung ähnlich stark ausgeprägt, was darauf hindeutet, dass solche Verzerrungen transdiagnostische Phänomene sind – also nicht nur mit den Symptomen einer bestimmten psychischen Erkrankung zusammenhängen, sondern auch mit allgemeinen Faktoren wie Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und geringem Selbstwert.
Diese Erkenntnisse helfen uns, die Erkrankung Anorexia nervosa besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln. Trainings, die darauf abzielen, negative Verzerrung in der Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen zu verändern, könnten zur Optimierung bestehender Therapieangebote beitragen.
Studienleiterin
Mitarbeiter/-innen
o Lukas, L., Nuding, L., Schulte‐Körne, G., Platt, B., & Sfärlea, A. (2024). Seeing oneself as an unattractive loser: Similar interpretation and memory biases in adolescents with anorexia nervosa and adolescents with depression or anxiety. European Eating Disorders Review, 32, 855-868.
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdfdirect/10.1002/erv.3095
o Sfärlea, A., Lukas, L., Schulte-Körne, G., & Platt, B. (2021). The KOALA-study: study protocol for a comprehensive study of cognitive biases in adolescent anorexia nervosa patients compared to healthy and clinical controls. Journal of Eating Disorders, 9: 139
https://link.springer.com/content/pdf/10.1186/s40337-021-00494-6.pdf
Lukas, L., Nuding, L., Schulte-Körne, G., Platt, B., & Sfärlea, A. (2025). Losing weight, gaining confidence? actual weight does not predict body (dis)satisfaction and self-esteem in adolescents with anorexia nervosa. Journal of Eating Disorders, 13: 141.